Taugenichts - Tierschutz Kreuzlingen


Aus dem Leben eines Taugenichts (Teil 10)

Text: Bea Müller©

Im Oktober war ich wieder im Südtirol. Es war wie ein Jungbrunnen für mich. Die Wurzelwege bin ich wie eine Bergziege ochgeklettert und auf den Wanderungen bin ich als Leithund an der Spitze marschiert, wie in alten Zeiten. Meine Dosenöffner haben nur so gestaunt. Dabei hat Bea extra Wanderungen ausgesucht, die an abkürzen kann, weil sie die Befürchtung hatte, länger als 45 Minuten zu laufen wären mir diesmal zu viel. Ha, da hat das gute Mädchen die Rechnung ohne den Luis Trenker der Hunde gemacht. Nix war’s mit Abkürzungen. Ich wollte laufen. Gut, Beas Mama war auch dabei und ihr zuliebe war ich mit Pausen einverstanden, damit sie sich nicht überanstrengt. Sie ist ja auch schon 75, die Gute. Aber wir zwei Oldies haben gut mitgehalten. Nur bei einer Strecke bin ich mit den Mädels per Bahn runtergefahren und Jürg ist gelaufen. War ja Ehrensache, die Damen nicht alleine zu lassen. Sonst wären wir zwei Jungs natürlich zusammen unterwegs gewesen. Wie immer haben mich die anderen Wanderer bewundert. Erstens, weil ich so höflich bin. Jedes Mal wenn uns jemand entgegenkommt, gehe ich auf die Seite und mache Sitz. Das finden die Leute immer ganz toll und schwärmen dann, wie gut ich erzogen bin. Dass ich immer ein Leckerchen dafür kassiere, ist ein netter Nebeneffekt. Einmal habe ich diese Show bei drei italienischen ignoras abgezogen und da hiess es dann 1000 Mal «Che bello, o che bello». Zweitens, weil ich so ein netter Typ bin. Mir ist es sogar gelungen, eine deutsche Dame mit Hundephobie dazu zu bewegen, mit mir zusammen durch einen Bach zu kneippen. Ihr Kommentar war dann auch: «Hach, die Schweizer Hunde sind soooo gut erzogen, im Gegensatz zu den italienischen» Habe ich schon einmal erzählt, wie ich meinen Freund Asco kennengelernt habe? Bea und Jürg waren mit mir und Paulo unterwegs. Ihr erinnert euch sicher an Paulo, meinen Kumpel, der Riesen-Leonberger-Schäferhund-Mix. Auf dem Heimweg kam uns ein nettes Ehepaar mit einem Labradorwelpen entgegen. Der Kleine war ganz aufgeregt und hüpfte fröhlich auf und ab, als wollte er sagen: «Guckt mal, da sind Hundefreunde, die will ich kennenlernen, oh bitte, darf ich?!» Die beiden Besitzer guckten zwar ein bisschen besorgt, weil wir ja nicht eben klein sind, der Paulo und ich. Ja und als wir näher kamen, da bekam der Kleine dann doch Angst or der eigenen Courage. Wie der auf einmal rückwärts robbte! Dummerweise kam dann der Bordstein und die Strasse, und sein kleiner dicker Hintern hing in der Luft. Was nun? Nach hinten ging’s nicht mehr und von vorne kamen wir. Da fasst der Knirps all seinen Mut zusammen und stürmte laut bellend mit seiner Piepsstimme auf uns zu, getreu dem Motto Angriff ist die beste Verteidigung. Gaaaanz langsam senkte Paulo seinen Riesenschädel und beschnupperte den Dreikäsehoch kurz. Dann ging er gemächlich weiter, während Asco auf dem Rücken lag und halb ohnmächtig war. Man sah es ihm förmlich an dass er dachte: O Mann, das glaubt mir in der Welpenstunde keiner, soeben habe ich die Begegnung mit Godzilla überlebt. Ich habe dem Kleinen zugezwinkert, ihn kurz angestupst und gesagt: «Atmen, Asco, atmen». Tja, und seither waren wir Freunde.
Asco war auch mal zu Besuch bei Maus und mir. Kaum zur Türe rein, ist er erst mal rechts abgebogen und in den Keller marschiert. Der schlaue Kerl hat schon beim Reinkommen gerochen, dass dort die guten Sachen lagern. Doch unsere zweibeinigen Spielverderber haben natürlich die Türen zum Paradies fest verschlossen. Aber auf dem Spaziergang wurde es dann doch noch richtig lustig. Da Asco super gut erzogen ist, durfte er mit uns frei laufen. Auf einmal hatte er die Nase in der Luft und ab ging’s ins Zuckerrübenfeld. Bea bekam fast einen Herzinfarkt, weil sie dachte, Asco sei wie die Maus und ich. Er habe eine Katze oder einen Fuchs gewittert und sei nun auf der Suche nach einem Bettvorleger. Nachdem er gefühlte 100 Kilometer durch das Feld gerast ist kam er triumphierend mit seiner Beute zurück gerannt: Die aus und ich waren echt schockiert. Zwischen seinen Zähnen hatte er was? Einen Apfel! Ist es zu fassen, da hat der Hund so eine tolle Nase und dieser Kerl verschwendet sein Talent damit, Obst zu jagen. Hunde gibt’s, man glaubt es kaum.
So, ihr Lieben, das war meine letzte Kolumne. Falls ihr weitere Hundestories lesen wollt, müsst ihr die Maus fragen, ob sie weiterschreibt. Dann wären es aber Geschichten von der Chaosqueen. Ich bedanke mich herzlich für euer Interesse und eure Treue.


Euer Sky