Taugenichts - Tierschutz Kreuzlingen


Brief eines Taugenichts (Teil 3)

Text: Bea Müller©

Hallo Leute

Also hier bin ich wieder, Sky. Ex-Tierheiminsasse und jetzt viel beschäftigter Erzieher von zwei Zweibeinern. Mann o Mann, was für ein Jahr. Mein Terminkalender war überfüllt mit Extra-Kursen und Veranstaltungen. Einmal habe ich drei Tage bei so komischen Anhängern von einem Fernseh-Hundeguru verbracht. Meine Lieben, in dieser Zeit nix zu fressen. Das grenzt ja schon an Tierquälerei. Okay, gut, kiloweise Leckerlis, aber das ersetzt doch keine gutgefüllten Hundenapf! Kaum habe ich mich davon erholt, wurde ich ein paar Wochen später an ein Seminar geschleppt mit dem unschönen Namen "Unerwünschtes Jagdverhalten" Hallo? Was heisst den hier unerwünscht? Was kann es Schöneres geben für den Vertreter einer nordischen Rasse als einer kleinen Mietzekatze hinterher zu sprinten? Erstens sind diese Samtpfoten unheimlich schnell und zweitens lasse ich ihnen ja immer einen Vorsprung. Bin ja schliesslich ein Hund von Welt.

Apropos Katze. Die alte Katze unserer Nachbarn ist über die Regenbogenbrücke spaziert. Ich schwöre, ich hab nix damit zu tun und wasche alle vier Pfoten in Unschuld. Vergreife mich doch nicht an alten Mäusejägern. Aber die netten Nachbarn dachten, mir sei jetzt langweilig und haben sich wieder ein junges Exemplar zugelegt. Äusserst lobenswert.

Nur ist dieses Katerchen extrem frech. Kein Respekt vor einem furchteinflössenden Hund. Marschiert rotzfrech über meine Wiese, legt sich auf eine meiner Hundedecken, die auf der Terrasse liegt und schläft dort ein. Ich kann auf dem Plattenboden liegen und seinen Schlaf bewachen. Wie findet Ihr denn das? Oder einmal stand ich im Türrahmen und habe in der Dunkelheit nach Feinden Ausschau gehalten, zwängt sich doch dieser Rotplz an mir vorbei. Hat gerade noch gefehlt, dass er sagt: "Hey, Dicker, mach dich nicht so breit" Als ob noch was von mir übrig wäre, nach dieser dreitägigen Fastenkur. Jedenfalls springt er wie selbstverständlich auf das Sofa, das ich nie benutzen darf und macht dort ein Nickerchen ... unglaublich!

Dafür räche ich mich ganz fürchterlich. Jedesmal wenn der Kleine in meine Nähe kommt, wird er von oben bis unten abgeschuppert, abgeleckt (bääääh, Katzenhaare sind widerlich) und an meine Leckerlis darf er nicht ran, ha!!!!

Neben diesen unliebsamen Erfahrungen gibt es aber auch nette Sachen zu berichten. Dieses Jahr haben wir an vier Militarys teilgenommen und ihr könnt jetzt Sky, der Champion zu mir sagen. Nein, keine falsche Bescheidenheit, es könnte auch heissen Sky, der Superdog. Zweimal stand ich nämlich auf dem Siegerpodest, einmal auf dem 4. Platz und einmal auf Platz 58. Letzteres war ein kleiner Ausrutscher, aber da waren am Start sooooooooviele Hunde und alle wollte ich begrüssen. Da konnte ich mich doch unmöglich auf meine Übung konzentrieren.

Apportieren ist meine Königsdisziplin. Erst erkunde ich die Gegend, ob es vielleicht ein unvorsichtiges Reh oder ein vorwitziger Hase in der Nähe hat, die ich fangen könnte. Erst wenn das gecheckt ist, hole ich diese ollen Plüschtiere. Dann allerdings in einem Wahnsinnstempo, die Helfer kommen mit dem Zählen und dem Nachschub kaum nach.

Manchmal muss man Hindernisse überwinden, unter den hinterhältigerweise Frolic und ähnliches als Versuchung liegen. Da kann es schon mal passieren, dass ich mir noch schnell eine kleine Stärkung hole. Ihr wisst ja, ich bin seit dem Fernseh-Hundeguru traumatisiert, siehe oben.

So eine Military ist schon eine feine Sache. Nicht nur wegen den geklauten Leckerbissen. Hund macht einen schönen Spaziergang, lernt neue Hundekumpels kennen und entdeckt an sch ganz neue Fähigkeiten.
Bea hätte es nie für möglich gehalten, das ich einen Treibball vor mir herschubse. Ja, denkste, wenn es um einen Stockerl-Platz geht, tue ich fast alles. Jedenfalls habe ich zweimal eine Meute von Spitzenhunden à la Labrador, Golden Retriever und Schäferhunden geschlagen und bin Erster geworden. Da sag noch mal einer, ein Husky könne so etwas nicht. Abends fällt man dann todmüde ins Körbchen, den Lorbeerkranz noch um den Hals und träumt vom Applaus der Menge.

Also, man kann sagen, was man will, aber langweilig wird's mit meinem Zweibeinern nie. Denen fällt immer was ein. Bin gespannt, was die nächstens auf Lager haben. Mein Weihnachtsgeschenk habe ich schon bekommen. Einen Kombi. Damit ich endlich genug Platz habe für meinen gut trainierten Körper. Ausserdem kann ich jetzt auch Sina (eine wunderbare Schäfermischlingsdame, die unbegreiflicherweise immer noch im Tierheim sitzt) auf eine Spazierfahrt einladen. Leute ich kann Euch sagen, meine Chancen sind enorm gestiegen, seitdem ich so ein bequemes Vehikel mein eigen nenne. Nur Fahren muss ich noch lernen, aber bei meinen Qualitäten ist das ein Kinderspiel ...

Wünsche Euch eine "hundevolle" Zeit und bis zum nächsten Mal.

Euer Sky