Taugenichts - Tierschutz Kreuzlingen


Aus dem Leben eines Taugenichts (Teil 4)

Text: Bea Müller©

Hallo zusammen

Da bin ich wieder, Sky der Hund ohne Furcht und Adel. Wieder ist ein Jahr vorüber und ich zähle nun schon sechs Lenze. Bea meint, ich sei nun im richtigen Alter um Junghunden als Vorbild zu dienen. Na prima, da hat sie mir wieder einen Super Job aufgehalst. Allerdings muss ich gestehen, dass das Versuchskaninchen nicht zu verachten ist, Eine ca. 1 1/2-jährige dunkle Schönheit mit Schlappohren namens Sina. Wenn wir Leine an Leine laufen, geben wir ein echt sehenswertes Paar ab.

Aber wieso wurde ich zum Professor Higgins im Hunde-Musical "My Fair Lady?" Die süsse Sina hatte nämlich keine Manieren. Geschirrspülmaschinen und Züge gehörten zum Beispiel zu ihren Lieblingsfeinden. Der jungen Wilden mangelte es auch an Respekt, und dass sie immer meinen Schlafkorb besetzt ist ja noch das Wenigste. Nein, zu allem Elend hat dies Göre doch eine Doggenlady angepflaumt. Diese wollte der Kleien natürlich gleich eine Lektion im guten Benehmen erteilen. Mit Anlauf musste ich mich zwischen die Zicken werfen. Nur dank meines sagenhaften Charmes und meinen berühmten Eselssprüngen ist es mir gelungen, die schöne Grosse von der kleinen Querulantin wegzulocken. Tja, ich bin und bleibe halt immer der Held der Stunde.

Im Restaurant wollte mein Schützling den Kellner partout nicht an den Tisch lassen. Obwohl er doch nur die Bestellung aufnehmen wollte. Fast wären meine Zweibeiner verhungert und mein guter Ruf in der Gastronomie hat auch erheblichen Schaden genommen. Schliesslich ist es das Servierpersonal doch gewöhnt, mit vollem Tellern über mich hinweg zu steigen, und am Schluss gibt es deswegen ja immer Leckerlis aus der Küche für mich. Da musste dringend etwas geschehen. Also habe ich immer den Coolen rausgehängt, habe nie gemuckst und mich nie gerührt, wenn irgendwo ein aussergewöhnliches Geräusch zu hören war. Und sobald eine fremde Person am Horizont aufgetaucht ist, habe ich immer so getan, als wäre dies das Langweiligste der Welt. Siehe da, es hat geklappt, inzwischen ist Sina nämlich viel lockerer geworden und schnarcht jetzt sogar unter dem Tisch. Ist zwar voll peinlich, ehrlich, aber daran arbeite ich noch . Ich bin sehr stolz auf mich.

Als Dank für meine Mühen durfte ich mit Bea in den Urlaub fahren. Eine Woche Hundekurs im Hotel Wolf in Oberammergau! Es war sensationell. Begleitet wurde ich von meinen vier Hundefreunden aus dem Samstagskurs. Wir waren zwei Jungs und drei Mädels. In der Halle arbeiteten täglich jeweils 10 Hunde, zwei Gruppen à 5 Hunden. Klar, dass wir Schweizer eine Gruppe bildeten und den anderen gezeigt haben, was die Eidgenossen so drauf haben. Obedience, Clickertraining, Begleithundübungen, Agility .... in unserer Gruppe waren die Stars. Wenn uns irgendein TV-Hundetrainer wie z.B. Martin Rütter gesehen hätte, kämen wir jetzt in einer eigenen Fernsehshow. Aber wie immer sind die richtigen Mensch nie zur Stelle und im Fernsehen werden nur langweilige Eisbären gezeigt, die immer dicker werde. Nur Dogdancing ist nicht so mein Ding. Bin ich etwa der Fred Astaire der Huskies? Bei unseren Damen war das anders, sie waren die Dancing Queens. Vor allem Sina hat sich bewegt wie eine Ballerina. Wenn unsere Trainerin nicht schon sieben Hunde gehabt hätte, Sina wäre sofort in Bayern eingebürgert worden. O.K. ich geb's zu, mein Hundekumpel Elou machte auch eine phantastische Figur auf der Tanzfläche. Während seiner Darbietung sind eine Menge Hündinnen reihenweise in Ohnmacht gefallen. Nachts haben sie im Traum mit den Pfoten gezuckt und immer gewufft: o Du John Travolta der Hundewelt .... Bfff, Frauen!!! Am Schluss der Woche gab's einen Endwettbewerb mit verschiedenen Übungen aus allen Hundesportarten und 20 Hunde haben teilgenommen. Was meint Ihr, wer hat gewonnen? Klaro: Elou, Aisha (ebenfalls einmal kurz stationiert im Tierheim Altnau) Lissy, Sina und ich!

Ansonsten musste ich letztes Jahr um die Ehre der Huskies kämpfen. Ein paar Exemplare meiner Spezies sind von Zuhause ausgebüxt und haben für schlechte Publicity gesorgt. Aber hier ein Beispiel aus meinem tugendhaften Leben: Wir waren spazieren und ich hatte das Kommando "Frei" erhalten. Bin aber vor Beau auf und ab, hin und her gehüpft. Kurz, ich habe mich benommen wie ein seekranker Floh. Bea meinte schon, ich wollte für "Lord of the Dance" vortanzen, so schön habe ich meine Beine gekreuzt. Aber ein Blick auf die Wiese hat ihr dann den Grund für mein Hibblen offenbart. Eine Katze gut sichtbar, aber fluchtbereit flach auf den Boden gepresst. Als Bea die Mäusejägerin endlich gesehen hat, ist diese mit Überschallgeschwindigkeit unter meiner Nase durch und auf den nächsten Baum ... und ich, die fleischgewordene Selbstbeherrschung nicht hinterher. Boah, gab das eine Grossmenge an Belohnung. Hinterher konnte ich wegen meine dicken Bauches fast nicht mehr laufen. Aber natürlich weit und breit kein "Blick" Reporter in der Nähe, der dieses vorbildliche Verhalten eine urtypischen Hundes zu einer Riesenschlagzeile gemacht hätte.

Ja, was solls, ich werde weiterhin als Missionar unterwegs sein für die gute Hundesache, getreu dem Motto: Hunde sind kleine Weltverbesserer und sollten in keinem Haushalt fehlen. Hoch die Pfoten und wir bellen uns wieder.

Euer Sky