Taugenichts - Tierschutz Kreuzlingen


Aus dem Leben eines Taugenichts (Teil 6)

Text: Bea Müller©

Hallo zusammen

2010 war das Jahr der Peinlichkeiten. Ich bin ja bereits stolze 8 Jahre alt und da kommt schon das eine oder andere Zipperlein. Mein Rücken macht mir Kummer. Es gab Tage, da konnte ich fast nicht aufstehen. Zuerst bekam ich eine Medikamentenkur verschrieben. Als es mir dann besser ging, wurde ich zur Massage geschleppt. Zugegeben, das tut gut. Als VIP Hund steht mir ja auch eine eigene Masseurin zu. Die Behandlung mit dem Wärmekissen und die Massagen sind ganz nach meinem Geschmack. Ich lasse mich unheimlich gerne behandeln. Allerdings ist die gute Dame bei mir in Ungnade gefallen: Sie meinte, ich bräuchte einen Hundemantel. Hallo, als Nachkomme eines Bezwingers der berühmten Idarod Stecke habe ich das nicht nötig! Ich bin doch keine Hundetussi! Aber Bea war natürlich gleich Feuer und Flamme und hat mir so ein Teil gekauft. Tiefschwarz und mit einem Riesenkragen. Einziger Vorteil, ich sehe aus wie Graf Dracula...Bea hat hoch und heilig versprochen, dass ich das Teil nur im eigenen Garten tragen muss und nie auf einem öffentlichen Spaziergang. Als mein Nachbarkumpel Paulo mich in dem Umhang gesehen hat, ist er vor Schreck wie angewurzelt stehen geblieben. Ich habe ihn bitteröse angeguckt und ihm Schlimmes angedroht, wenn e rlacht. Nie wieder gemeinsame Spaziergänge und ich pinkle heimlich über seine verbuddelten Knochen. Das hat gewirkt.

Aber das war erst der Anfang. Irgendwie wurde ich letztes Jahr meinen Winterpelz nicht los. Bea war völlig überfordert mit meiner Fellpflege. Da hat sie mich beim Hundecoiffeur angemeldet. Am liebsten wäre ich geflüchtet. Ich sah mich schon mit Pudelfrisur und lackierten Krallen durch die Gegend wackeln. Glücklicherweise wurde es nicht so schlimm. Die reizenden Schönheitsspezialistinnen haben sich rührend um mich gekümmert und ich kam als ganzer Kerl wieder aus dem Laden. Das Schlimmste war, dass Bea meinte, ich sehe jetzt so fluffig aus und die Prozedur machen wir nun jedes Jahr. Hilfe !!!
Auch sonst war es wieder mal ein anstrengendes Jahr für mich. Hundekurse waren angesagt. Eigentlich dachte ich ja, ich hätte das hinter mir. Bin schliesslich ein guterzogener Hund! Bea meint zwar immer, ich solle das doch bitte auch unter Beweis stellen, wenn wir Zuschauer haben und nicht nur, wenn wir alleine unterwegs sind. Aber man kann im Leben nicht alles haben. Dieses Mal war es jedoch kein Erziehungskurs, sondern wir haben Fährtentraining, Geruchsunterscheidung und Mantrailing (Personensuche) gemacht. Letzeres war besonders lustig. Bea musste sich hinter Holunderbüschen verstecken. Nach ein paar Minuten wurde ich abgeleint und sollte sie suchen. Ich hab' sie auch sofort aufgespürt. Aus den Augenwinklen habe ich sie entdeckt. Kurz abgecheckt, dass sie in Sicherheit ist und bin dann den aufregenden Spuren nachgegangen, die ich sonst erschnüffeln konnte. Ausserdem mussten die vielen Bäume noch begrüsst werden. Irgendwie muss ihr das nicht gefallen haben. Als ich ein paar Markierungsrunden später kontrollieren ging, ob sie noch an Ort und Stelle war, Oh Schreck, sie war weg! Da habe ich sie dann schleunigst gesucht und habe mich auch riesig gefreut, dass sie nicht vom Fuchs gestohlen worden war. Bea guckte neidisch auf meine Mitstreiter, die kaum von der Leine gelassen, wie der Blitz losgeschossen sind, um ihre Herrchen und Frauchen zu suchen. Diese Hunde trauen ihren Besitzern aber auch nicht zu, dass sie in der Wildnis überleben können. Von Survival -Bea weiss ich, dass sie Zuhause ohne mit der Wimper zu zucken, so gefährliche Tiere wie Spinnen fängt und sie in die Freiheit entlässt. Da wird sie doch wohl auch mit einem Bären fertig.

Habt ihr übrigens gewusst, dass ich ein grosser Mäusejäger bin (die Betonung liegt auf Jäger, nicht Fänger!). Letzthin bin ich über ein Feld gehüpft, mit meinen üblichen Mäuse-Aufscheuch-Sprüngen. An einer Stelle bin ich dann gehüpft wie ein Pingpongball, und wenn ich könnte, hätte ich gerufen: "Hab' sie, hab' sie!" Bea und Jürg sind dann herbeigeeilt, um das arme Nagetier zu retten. Aber mein Maul war mäuseleer. Schliesslich hat mich Jürg auf die Seite geschoben und da steckte sie unter meiner Hinterpfote, Kopf voran in einem Loch und hat mit den Hinterbeinen gezappelt. Jürg hat sie am Schwanz rausgezogen. Sie lag dann japsend auf dem Rücken und hat nach Luft geschnappt (zum Glück für Jürg, sonst hätte Bea noch von ihm verlangt, Mund-zu-Mund-Beatmung zu machen!). Nachdem sie sich erholt hatte, hat sie mir einen vernichtenden Blick zugeworfen und ist schimpfend in ihrem Loch verschwunden. Bea und Jürg haben Tränen gelacht und mir versichert, ich sei wirklich der hundgewordene Kilian Wenger,der Mäuseschwinger. Nach der Begegnung mit mir liegen alle auf dem Rücken.

Peinlich, peinlich. Zum Glück liest das hier niemand. Oder doch ??? Euer Sky.