Taugenichts - Tierschutz Kreuzlingen


Aus dem Leben eines Taugenichts (Teil 7)

Text: Bea Müller©

Hallo zusammen
Da bin ich wieder, Sky, der Hund von Welt. Diesmal war es ein ruhiges Jahr. Zum ersten Mal gab es keine neue sensationelle Erziehungsmethode, für die ich als Versuchskaninchen herhalten musste. Der heilige Franz von Assisi hat mich gerettet, der Kurs ist nämlich ausgefallen. Sonst hätte ich Longieren lernen müssen. Ja, bin ich denn ein Pferd ???? Dafür bin ich auf den Pudel gekommen. Das ging so: Paulo, mein Nachbarskumpel, der coole Schäferhund-Leonberger-Mix ist leider über die Regenbogenbrücke gegangen. Und so ein Leben ohne Hundekollege ist öde. Auf der anderen Strassenseite wohnt Tschibo, ein Zwergpudel. Der hat wohl gemerkt, dass mir ein Kompagnon fehlt und hat es immer so eingerichtet, dass er mir auf Spaziergängen begegnet. Da wir punkto Leckerlis den gleichen Geschmack haben und unsere Frauchen auch auf einer Wellenlänge liegen, gehen wir jetzt immer öfters gemeinsam auf die Walz. So kam ich quasi von Goliath zu David. Begleitet werden wir dabei meist noch von zwei reizenden Hundedamen. Die eine heisst Maus und ist eine europäische Multi-Kulti Hündin. Wenn die ihre Lippe hochzieht, sieht sie so gefährlich aus wie ein Auftragskiller der Mafia. Jessy, die andere Fellnase, ist Bewohnerin des Tierheims Altnau und eine japanische Zuckerschnuten Mixtur mit Mandelaugen.
Klein, aber oho. Im Team sind wir unschlagbar. Letzthin hat mich so ein aufgeblasener Schäferhundrüde blöd von der Seite angemacht. Meine beiden Hells Angels Damen haben sich gleich links und rechts neben mir aufgebaut und haben unisono gefährlich geknurrt. Da hatte der Schäfer kein Brot mehr. Er hat den Schwanz eingekniffen und sich ein anderes Mobbingopfer gesucht. Ansonsten fallen wir nur angenehm auf. Auf einem Spaziergang hatten wir unsere 5 Minuten und sind wie die Bekloppten rumgerast. Kam uns eine Joggerin entgegen. Bea hat gerufen, wir sofort eine Schleife gerannt, sind mit rauchenden Pfoten vor ihr stehen geblieben und alle vier synchron ins Sitz. Der Grösse nach aufgereiht wie die Orgelpfeifen. Ein Anblick für Götter. Die Joggerin war hin und weg vor Entzücken. Nein, was für nette, folgsame Hunde. Ha, wir sind halt die Botschafter der guten Erziehung. Dass Bea Blut und Wasser geschwitzt hat, weil sie sich nicht sicher war, ob wir wirklich kommen, haben wir nicht verraten.
Maus ist übrigens eine prima Lehrmeisterin. Die hat’s voll drauf. Letzthin hat sie mir gezeigt, wie man Schränke aufmacht und den Inhalt des Mülleimers dekorativ im Haus verteilen kann. Bea war allerdings nicht so begeistert.
Auch dass mir Maus gezeigt hat, wie man im Garten prima Löcher buddeln kann, findet sie nicht wirklich gut. Aber man kann ja nicht allen eine Freude machen. Maus findet jedenfalls, ich sei sehr gelehrig.
Im Sommer haben wir aber unser Meisterstück vollbracht. Meine beiden Dosenöffner wollten grillen. Jürg hat die Grillade vorbereitet und sie dann unbeaufsichtigt in der Küche alleine gelassen. Bea hat im Garten den Tisch gedeckt. Dummerweise hat sie dann aus dem Augenwinkel gesehen, wie ich an ihr vorbeimarschiere, mich ins Gras fallen lasse und genüsslich an etwas Unförmigem herumkaue. Sie schreit auf und rennt zu mir rüber und erwischt dabei auch Maus, die sich gerade mit dem Knoblauchsteak davonmachen will. Mir hat die liebe Maus nämlich schon einen Fleischspiess überlassen und gemeint: „Fang’ schon mal an, ich hol’ den Nachschub“. Tja, das war’s dann mit dem selbst erjagten Abendessen.
Da heisst es immer, Hund soll Initiative zeigen und dann gibt’s nichts als Ärger. Wetten, Kommissar Rex wäre gelobt worden.

Euer Sky