Taugenichts - Tierschutz Kreuzlingen


Aus dem Leben eines Taugenichts (Teil 8)

Text: Bea Müller©

Hallo zusammen. Wäre ich ein Mensch, wäre ich sicher zum Pfadfinder des Jahres gewählt worden. Fast jeden Tag eine gute Tat. Schon im Januar fing es an. Auf einer Schneewanderung habe ich einen kleinen vierbeinigen Floh entdeckt, mutterseelenallein. Kein Mensch weit und
breit, dem der kleine Hund gehören könnte. Nett wie ich bin, habe ich ihn zu Bea und Jürg geschleppt. Jürg hat sich in einer Berghütte erkundigt, ob die Kleine dort ausgebüxt ist. Anscheinend ist sie irgendwelchen fremden Zweibeinern gefolgt. Niemand wollte sie haben. Meine Zwei haben dann beschlossen, unsere Schneeschuhtour abzukürzen, die Kleine mitzunehmen und dann mit ihr zu einem Polizeiposten zu fahren, um den Fund zu melden. Maus und ich fanden es klasse, jemanden dabei zu haben, dem man gleich den Hundeknigge auf Spaziergängen beibringen konnte. Die Kleine hatte nämlich noch ihre Milchzähnchen und war deshalb gut zu beeindrucken. Sobald sich andere Schneewanderer näherten, gleich zu Frauchen rennen, hinsetzen, seelenvoll zu ihr aufschauen, Leckerlis abstauben und dann wieder mit Hurra die Schneehänge hinuntersausen. Unser Lehrling hat alles ganz toll mitgemacht. Kurz vor unserem Zuhause haben wir dann ein Auto beobachtet, dass mit halsbrecherischem Tempo die Strasse raufdonnerte und auf einen Parkplatz schlitterte. Ein Mann stieg aus, wedelte wild mit den Armen und schrie irgendwas in unsere Richtung. Wir drei Hunde sassen in der Höhe und haben ihn beobachtet. Die Kleine zuckte etwas mit den Ohren, blieb aber brav bei uns sitzen. Als Ältester der Truppe habe ich dann irgendwann beschlossen, mir den hysterischen Typ mal aus der Nähe anzuschauen. Bea und Jürg waren auch schon dort und haben sich mit dem Mann unterhalten. Es hat sich dann herausgestellt, dass
es der Vater der Besitzerin des kleinen Hüpfers war. Seine Tochter hat sie ohne Leine und Halsband auf einen Spaziergang mitgenommen und
anscheinend nicht mitbekommen, dass sie sich fremden Leuten angeschlossen hat. Wahrscheinlich war sie mit ihrem Handy beschäftigt. Mit dem selbigen hat sie dann auch ihren Papa alarmiert.
Der hat sich sofort ins Auto gesetzt und mit dem Suchen begonnen. Schade, gab es ein Happy End. Maus und ich hätten die Kleine gerne behalten. Sie war ein talentierter Junghund und so respektvoll. Da könnte sich Cliff eine grosse Scheibe abschneiden. Der Frechdachs drängelt sich nämlich beim Leckerli verteilen immer vor. Aber bis jetzt
liessen wir ihn machen. Ich sag es ja, Pfadfinder. Dann wurde ich auch zum Lebensretter. Meine Leute sassen beim Frühstück und haben beobachtet, wie ich stundenlang in den Lichtschacht gestarrt und dabei eine Pfote jagdhundmässig angezogen habe. Dann habe ich kurz durchs Fenster geschaut und gleich wieder in den Schacht gelinst.
Habe ich schon erwähnt, dass es Stunden gedauert hat, bis die beiden endlich vom Tisch aufgestanden sind, um nachzusehen, was mich so fasziniert?! Ich hatte schon einen Krampf in der Vorderpfote. Im Schacht war eine Maus. Völlig panisch, weil sie null Chancen hatte, aus eigener Kraft rauszukommen. Keine Ahnung wie die dort reingekommen ist. Jedenfalls musste Jürg das Gitter abschrauben, dann heldenhaft in die Tiefe steigen und den kleinen Nager einfangen, ohne gebissen zu werden. Es gab ein grosses Hurra, als er wieder an die Oberfläche kam. Wir beiden Männer wurden von unseren Mädels heftigst gelobt für unsere lebenserhaltenden Massnahmen. Was ich nicht so toll fand, ich durfte die Maus nicht behalten. Sie wurde dann in einem Gebüsch ausserhalb meiner Reichweite in die Freiheit entlassen. Hallo, immer dieses Misstrauen.
Ein Grossereignis hatten wir 2013 auch. Jessy ist dieses Jahr in ihr neues Zuhause gezogen. Ehrensache, dass wir sie bei ihrem ersten Besuch ins neue Heim begleitet haben. Meine Güte, was für eine Luxusbehausung. Körbeweise Spielzeug und lauter nette Menschen, die vor Jessy in die Knie gingen, um sie zu kraulen und mit tollen Leckereien zu füttern. Allein im Wohnzimmer drei Hundekörbchen für sie ganz alleine. Mann, war ich neidisch. Ich muss meine Decken und Körbchen alle mit der Maus und dem Cliff teilen oder wer sonst noch so auf Besuch ist.
Selbstlos wie ich bin, habe ich beschlossen, auch dort einzuziehen. Jessy war es ja gar nicht gewohnt, alles für sich alleine zu haben. Dummerweise wollten die sympathischen Leute aber keinen Zweithund. Also bin ich seufzend wieder mit Bea heimgefahren. Die murmelte dann die ganze Autofahrt irgendwas von undankbarem Hund
und dass die Maus die einzig treue Seele sei. Pfff, man wird doch mal andere Haushalte unverbindlich testen dürfen, ob sich die Lebensqualität noch steigern lässt.
Na, jedenfalls muss ich mich immer noch um Cliff kümmern. Aber den bringen wir auch noch so weit, dass er in ein schönes Zuhause umziehen kann. Und das wäre dann ein weiterer Höhepunkt in meinem Hundeleben.

Tschüss, Euer Sky