Taugenichts - Tierschutz Kreuzlingen


Aus dem Leben eines Taugenichts (Teil 9)

Text: Bea Müller©

Meine Güte, schon wieder ein Jahr vorbei. Unglaublich wie die Zeit verfliegt, wenn man in ein gewisses Alter kommt. Mein Terminplan ist aber auch sowas von ausgefüllt. Früher wurde ich von einem Training ins nächste geschleppt. Heute verbringe ich meine Freizeit damit, mich massieren zu lassen oder ich werde mit Nadeln gestochen. Mit dem Tierarzt bin ich inzwischen per Du. Die Pharmaindustrie schickt mir Geburtstagskarten und Weihnachtsgrüsse. Vor einem Jahr hatte ich eine kleine Depression. Ist nicht einfach für einen Bewegungshund wie mich, wenn Dir die Pfoten weh tun, der Rücken zwickt und das Aufstehen mühsam wird. Es schmerzt, wenn Velotouren und Joggingrunden nicht mehr zum Alltag gehören. Bea war schon ganz verzweifelt, weil ich auf den Spaziergängen den Kopf hängen liess und manchmal sogar überhaupt nicht mitwollte. Aber iese Frau ist ja ekelhaft hartnäckig. Alle Register hat sie gezogen. Mein Körper wurde ausgependelt, das Futter umgestellt, vom Tierarzt gab es eine Schmerztherapie, Akkupunktur nd Physiotherapie wurden verstärkt. Neu kam Atlasologie dazu. Mann, ist das entspannend. Meine Dosenöffnerin war der Meinung, irgendwas davon wird schon helfen. Tja, was soll ich sagen, das alte Mädchen war erfolgreich.
Bevor sie sich wieder etwas Neues einfallen lässt, z. B. Pilgerreise nach Lourdes, geniesse ich die Spaziergänge und lasse mich von Maus hin und wieder sogar zu einem Spurt überreden. Am Konstanzer Military habe ich dieses Jahr den sagenhaften dritten Platz erreicht. Na bitte, wer kann da noch behaupten, ich gehöre zum alten Eisen. usserdem habe ich Snoopy kennengelernt. Er ist gleich alt wie ich (gerade mal 12!) und stocktaub. Seine Arthrose ist heftiger als meine. Aber der Typ ist sowas von gut drauf. Auf den Spaziergängen schleppt er halbe Baumstämme mit. Sieht er einen Velofahrer oder einen Jogger, ist der verrückte Kerl nicht zu bremsen. Im Formel-Eins-Tempo rennt er da hinterher und lässt sogar die Maus mit ihren langen Windhundbeinen alt aussehen. Rufen ist zwecklos, er hört ja nichts. Irgendwann dreht er dann um und kommt glücklich und voll fit wieder zurück. Da ich mir vor Snoopy keine Blösse geben kann, reisse ich mich jetzt halt zusammen. Wir haben dieses Jahr die Samstags-Gang gegründet. Dazu gehören Snoopy die coole Socke, Cliff der Frauenliebling, der Zwerg Banjo, die Maus und ich. Wir sind eine echt heisse Truppe. Snoopy und ich sind die Späher. Wir laufen an der Spitze und halten Ausschau nach Wurfmaterial, wie Äste oder Äpfel, oder eben Jogger und Velofahrer. Maus versucht immer, Cliff zu überreden mit ihr abzuhauen und durch die Zuckerrübenfelder zu rasen. Aber Bea ist wieder mal die Spielverderberin und pfeift Cliff energisch zurück. Ihn beeindruckt das ja, im Gegensatz zu Maus. Banjo bildet das Schlusslicht. Er passt auf, dass Snoopy niemand verloren geht. Hütehund, sag› ich doch. Isabelle und Bea nehmen wir nur mit, weil irgendjemand unseren Proviant tragen muss. Sie sind quasi unsere Maulesel. Apropos Maus. Sie ist immer noch ganz die Alte. Letzthin hat sie einen Berliner aus der Küche geklaut. Erst ist es niemandem aufgefallen.
Das schlaue Mädchen hat auch den dazugehörigen Papiersack verschwinden lassen. Erst als Bea Jürg gefragt hat, ob der Berliner gut war, flog die Sache auf. ea hat sich dann tierisch Sorgen gemacht weil sie glaubte, die Maus habe das Papier gefressen um zu verhindern, dass der Diebstahl bemerkt wird. Aber die Kleine ist ja nicht doof. Sie hat das Beweismaterial im Garten versteckt. Zuerst!!! Dann hat sie es wieder ausgebuddelt, um es an einem noch sicheren Ort zu versorgen. Anhand der tollen Dreckspur konnte man ihre Tat genauestens rekonstruieren. Erstes Versteck: Oranges Sofa im Wohnzimmer. Zweites Versteck: Ehebetten. rst unter Jürgs Decke und dann unter Beas Kopfkissen. Schlussendlich hat sie die Tüte im Lesesessel im 1. Stock verbuddelt. Sah gut aus, rote Himbeerflecken auf grünem Alcantara. Umrahmt von jeder Menge Gartenerde. Hübsch! Maus wäre eine tolle Innendekorateurin.
Aber irgendwie kam das bei unseren Zweibeinern nicht so gut an. Tja, kann ja nicht jeder so einen guten Geschmack haben wie wir Vierbeiner Übrigens, an dieser Stelle möchte ich einen Appell an meine Leserschaft richten. Gibt es niemanden, der Cliff ein Zuhause geben möchte? So langsam nervt der Typ. Wenn wir zum Plauschgruppentraining fahren, macht er sich in meinem Kofferraum breit, als wäre er so gross wie eine Dogge. In der Halle eniesst er Sonderrechte, weil er als Einziger frei rumlaufen darf. Dann schleimt er sich ständig bei den anderen Teilnehmerinnen ein, weil er mit seinen langen Wimpern klimpert und auf armes Hascherl macht.
Dann höre ich immer nur: «Oooh ist der süüüüssss und guck mal, wie sanft er das Leckerchen nimmt.» Sobald er beim Longieren mitmacht und durch den Tunnel geht: «Nein, der hübsche kleine Kerl, wie tapfer er das macht». Hallo???!!! Maus und ich machen ganz andere Dinge, und da fällt niemand fast in Ohnmacht. Also bitte ihr Lieben, adoptiert einer diesen Gigolo, damit ich wieder meine Ruhe habe.
In meinem Alter hätte ich das echt verdient.

Mit hoffnungsvollen Grüssen, Euer Sky